Fronleichnam

das Fronleichnamsfest ist von allen christlichen Festtagen im Kalender vermutlich das „katholischste“ Fest. Die katholische Kirche wird an diesem Tag sehr sichtbar und trägt in Form einer Prozession auf die Straße, was sie zu bieten hat. Es soll ein Festzug mit allen Sinnen sein, alle Geistlichen und Mitarbeiter in festlichen Gewändern, Glocken, Fahnen, Musik, die Gemeinde zieht mit und die Kommunionkinder sind in ihren festlichen Kleidern dabei.

Von allen katholischen Festtagen war der Fronleichnamstag wohl auch ein Tag, der in seiner Geschichte auf Profilierung gegenüber allen anderen christichen Kirchen und Gemeinschaften setzte. Für Martin Luther war es „das allerschändlichste Fest.“ So kam es regelmäßig auch zu Konflikten um die konkrete Ausgestaltung dieses Festtages. Sicher kennen Sie auch solche Geschichten. Auch dem Staat war die öffentliche Sichtbarkeit der Katholiken oft ein Dorn im Auge. Zuletzt in der Zeit des Nationalsozialismus, wo die Machthaber die Festzüge als offenen Protest gegen deren Ideologie verstanden.

Wie schön, dass diese Zeiten vorbei sind. Ich erinnere mich, wie mich in Lohberg Muslime freundlich auf unserer Prozession angesprochen haben und dass wir bei Pfarrer Düx vor der Kirche einen Altar aufbauen durften. So geschieht das in Voerde auch immer wieder vor dem Rönskenhof. Im Grunde will dieses Fest ja zeigen, dass wir als Christen mit Gott unterwegs sind, auf allen Wegen unseres Lebens zieht er mit. In der Mitte steht das Abendmahl, der Herr, der uns an seinen Tisch ruft und sein Leben, sein Wort, sein Brot und seinen Wein mit uns teilt. Er ist gegenwärtig, mitten unter uns. Das Fest verbindet uns mit der Zeit einer Gläubigkeit, die uns heute fremd geworden ist. Es geht zurück auf die Vision einer Ordensfrau, die es bedrückte, dass das Gedenken der Einsetzung des Abendmahls allzu sehr im Schatten der Trauer des Karfreitags steht. Daher wünschte sie mit dem Fronleichnamstag einen fröhlichen Festtag, an dem spürbar und erlebbar ist, dass Christus in der Feier der Eucharistie, im Abendmahl unter uns gegenwärtig ist und Herz und Seele mit dieser seiner Gegenwart erfüllt. Wie schön, dass uns Christen heute die Gemeinsamkeiten, das Verbindende wichtiger ist als die geschichtlich gewachsenen Unterschiede. Und gut wäre es, wenn wir auf diesem Weg weiter gehen und die vielen Schätze entdecken, die der jeweils Andere zu bieten hat. Das gilt sicher für das Miteinander einzelner Christen, aber ganz bestimmt auch für unser Miteinander als Kirchen hier in Voerde. Wir können noch viel zusammen tun!
Markus Gehling, St. Peter und Paul, Voerde

1971 konfirmiert? Herzlichen Glückwunsch!

Wir wünschen den Goldkonfirmanden unserer Gemeinde Gottes Segen.
Die Konfirmationsjubiläen werden traditionell an Himmelfahrt und an Pfingsten gefeiert mit einem festlichen Gottesdienst und anschließenden Fest. Wir hoffen auf bessere Zeiten in echter, leibhaftiger Gemeinschaft!

Wir grüßen alle, die in diesem Jahr ihr Konfirmationsjubiläum haben:

Herr, wir bitten: Komm und segne uns;
lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns.
Rühr uns an mit deiner Kraft.

Präsenzgottesdienste ab 6. Juni

Ab dem 6. Juni soll es in unseren Kirchen wieder Präsenzgottesdienste geben. Wir hoffen, dass die Inzidenzwerte sich bis dahin weiter nach unten entwickeln werden und freuen uns, dann wieder gemeinsam Gottesdienste feiern zu können. Zum Neustart am 6. Juni in Spellen und in Friedrichsfeld zu den bekannten Uhrzeiten. Danach im wöchentlichen Wechsel am 13. Juni in Spellen und am 20. Juni in Friedrichsfeld.

Wir wünschen allen schöne und gesegnete Pfingsttage.

Offener Brief – Kriegerische Auseinandersetzungen in Israel und Palästina

Superintendent Friedhelm Waldhausen ist erschrocken und in großer Sorge über die Entwicklung der kriegerischen Auseinandersetzungen in lsrael und
Palästina. Jetzt hat er einen offenen Brief an die Verantwortlichen auf dem Gebiet des Kirchenkreises Dinslaken, also die Bürgermeisterin der Stadt Dinslaken und die Bürgermeister in Voerde, Hünxe, Schermbeck und Walsum, geschickt.

Darin äußert er seine aktuelle Sorge um die Folgen, die diese Auseinandersetzungen auch für unsere Region haben: “Solche Taten lassen mich Schlimmes in
Bezug auf ein friedliches Miteinander von Menschen unterschiedlicher
kultureller und religiöser Prägung befürchten. Widerspruch und Widerstand
sind hier von allen demokratischen Kräften gefordert.”

Lesen Sie hier den Brief als ganzen: Offener Brief

Ökumenische Kampagne „jüdisch beziehungsweise christlich“

Spirit, der bewegt: Schawuot beziehungsweise Pfingsten.

 Eine jüdische Stimme

Schawuot wird genau fünfzig Tage nach dem Pessachfest begangen und feiert die Offenbarung der Torah am Sinai. Eigentlich ist jede Torahlesung eine Vergegenwärtigung dieses Ereignisses, beim „Fest der Gabe der Torah“ aber noch einmal besonders, denn es werden die Zehn Gebote vorgetragen, die eine direkte Ansprache Gottes an Israel waren. Dieser Akt wird als eine Art Hochzeit zwischen Gott und Israel verstanden, und die Torah ist der Ehevertrag, der die gegenseitige Hingabe und Verpflichtung beider Liebender darlegt. Ein Sinnbild dieser Treue ist das biblische Buch Ruth, das dem Wochenfest als besondere Lesung zugeordnet ist.

Schawuot ist eines der drei Wallfahrtsfeste und hat wie diese auch eine landwirtschaftliche Dimension. Es wird auch als „Fest der Erstlingsfrüchte“ bezeichnet, weil es den Beginn der Weizenernte und des Reifens der Sommerfrüchte in Feld und Garten markiert. Zum besonderen Festtagsopfer zu Tempelzeiten gehörte das Darbringen von Weizenbroten. Heute ist das Fest vor allem wegen des Tikkun, einer Lernnacht, populär, bei der man sich gemeinschaftlich bis in die frühen Morgenstunden dem Torahstudium hingibt. Wach gehalten wird man dabei durch die Vielzahl süßer und herzhafter Gerichte aus Milch und Käse, die dem Fest seinen besonderen Geschmack geben.

– Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg

Spirit, der bewegt: Schawuot beziehungsweise Pfingsten.

Eine christliche Stimme

 Schawuot feiert den lebensstiftenden Geist der Zehn Gebote. An Pfingsten bewegt die Geistkraft Gottes die Mutlosen. Orientierung und Inspiration: Gestalten und mutig voranschreiten

Die Hauptfeste Israels sind ursprünglich im natürlichen Jahreszyklus des Landes verankert und markieren mit dem Dank für die Gaben der Erde die unterschiedlichen Jahreszeiten (vgl. Dtn 26,1-11). Schawuot, das sieben Wochen nach Pessach begangen wird, feiert dabei den Abschluss der Getreideernte. Alle Feste wurden jedoch im Lauf der Geschichte mit bedeutenden Ereignissen aus der Bibel theologisch hinterlegt. An Schawuot wird der Gabe der Tora am Gottesberg gedacht. Da die göttliche Weisung in ihrem Wortlaut als kanonischer Text nicht verändert werden darf, die ethischen und kultischen Gebote und Verbote jedoch der Adaption in neue Zeiten bedürfen, braucht es zur rechten Auslegung der Mose-Tora göttliche Inspiration, die Gabe des Geistes. Die Geistbegabung an alle Menschen (vgl. Joël 3 vgl. Apg 2) schafft unmittelbaren Zugang zu Gott und seiner Offenbarung und bewirkt, dass alle im Gottesvolk die gesamte Tora begreifen und befolgen können (vgl. Ez 36,26f.). Die neutestamentliche Rezeption im Pfingstereignis aktualisiert diesen universalistischen Zugang und macht die christliche Botschaft für Menschen aus allen Völkern verständlich.

– Irmtraud Fischer